
Die kefalonische Tanne erstreckt sich über weite Teile Griechenlands – von den zerklüfteten Gebirgen der Peloponnes und Mittelgriechenlands bis nach Kefalonia, Euböa und sogar zu den heiligen Hängen des Olymp und des Athos. Vanillehonig jedoch ist weitaus wählerischer. Er entsteht ausschließlich in den Tannenwäldern der Peloponnes, mit dem Berg Mainalo in Arkadien als historischem Kerngebiet. Über Jahrzehnte hinweg war der Mainalo das unangefochtene Zentrum der Produktion, berühmt für die außergewöhnliche Intensität seines Honigtaus. Einst versammelten sich Imker auf seinen Höhenzügen, angelockt vom Versprechen dieser seltenen und kostbaren Ernte.
In den letzten Jahren hat sich der Weg der Bienenstöcke erweitert. Feneos, Panachaiko, Erymanthos, Chelmos, Parnon und Taygetos sind Teil dieser Geschichte geworden. Dort haben verstreute Tannenbestände neue, lokale Ausprägungen des Vanillehonigs hervorgebracht – jede mit feinen Unterschieden in Farbe, Aroma und Geschmack.
1996 wurde der Vanillehonig vom Mainalo von der Europäischen Union als Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U./PDO) anerkannt. Vielleicht eröffnet diese Auszeichnung nun auch anderen Tannenregionen die Möglichkeit, ihren Platz auf der Landkarte der griechischen Imkerei zurückzuerobern.
Tannenhonig entsteht nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau, der von bestimmten Wirtsinsekten ausgeschieden wird, die unter Imkern als korios, founda oder kompos bekannt sind. Vanillehonig im Besonderen geht auf das Insekt Physokermes hemicryphus zurück, das sich an jungen Tannentrieben ansiedelt. Der Honigtau erscheint als dichte weiße Tropfen oder – in stärker getrockneter Form – als kleine, helle Kügelchen, die an den Zweigen haften.
Die Erntezeit beginnt in der Regel Mitte Mai – traditionell am 21. Mai, dem Fest des Heiligen Konstantin – und dauert bis Mitte oder Ende Juni. Setzt die Absonderung darüber hinaus fort, entsteht ein dunklerer, rötlicher Honig, der dennoch helle Reflexe bewahrt.
Die Bienen sammeln den Honigtau und verwandeln ihn in den Waben durch ihre stille, beinahe alchemistische Arbeit. Sobald die Waben entnommen sind, beginnt für den Imker ein Wettlauf gegen die Zeit: Vanillehonig härtet rasch aus, was die Schleuderung anspruchsvoll und empfindlich macht. Nicht selten brechen Waben in der Zentrifuge, und ein Teil des Honigs bleibt im Wachs eingeschlossen.
Der gewonnene Honig reift anschließend in Behältern auf natürliche Weise nach und klärt sich langsam, während feine Schichten aus Wachs, Propolis und Pollen an die Oberfläche steigen. Das Öffnen des Hahns und das Abfüllen der ersten Gläser wird zu einem kleinen Ritual – ein Moment der Belohnung und der Ehrfurcht für jede Imkerin und jeden Imker.
Tannen-Vanillehonig kristallisiert aufgrund seines hohen pH-Werts nicht und bewahrt seinen vollen Nährwert: zuckerarm, reich an Enzymen und Proteinen sowie an Vitaminen und Spurenelementen wie Eisen, Phosphor, Kalium und Magnesium. Jeder Löffel ist ein stiller Luxus – ein konzentriertes Echo der griechischen Wälder und des verborgenen Lebens, das sie tragen.
Weitere Informationen und Bestellungen gerne auf Anfrage oder beim Samstagsmarkt.